Kapitel 05 – Architektur A1–A5
Überblick des Analysezyklus
Der Analyseprozess von VERA-VM folgt einer klar definierten, modularen und sequenziellen Struktur. Jede Phase besitzt eine eindeutige methodische Funktion und ist durch ein standardisiertes Handover mit den folgenden Schritten verbunden. Ziel ist eine kontrollierte, nachvollziehbare und wissenschaftlich überprüfbare KI-Analyse, die den Grundprinzipien kunsthistorischer Hermeneutik verpflichtet bleibt.
Der Zyklus beginnt mit der rein formalen Beobachtung (A1), führt über die Kontextualisierung (A2) zur theoriegeleiteten Analyse (A3) und mündet in die interpretative Synthese (A4). Abschließend werden alle Ergebnisse strukturiert dokumentiert (A5). Dadurch entsteht ein Analyseablauf, der Interpretationssprünge verhindert und eine transparente Argumentationskette gewährleistet.
Modul A1 – Formale Bildanalyse
A1 bildet den Ausgangspunkt der Analyse. In dieser Phase beschreibt die KI ausschließlich sichtbare Bildelemente: Komposition, Raum, Perspektive, Farb- und Lichtgestaltung, Materialität, Technik, Gattung sowie die innere visuelle Logik des Bildes.
Wichtig ist die strikte Regel: Keine Interpretation, keine Kontextannahmen, keine historischen Zuschreibungen. A1 erzeugt ein präzises Protokoll des Sichtbaren und schafft die Grundlage für alle weiteren Schritte.
Modul A2 – Kontextualisierung
A2 erweitert die Analyse um historische, kulturelle und werkbezogene Kontexte. Dazu gehören Entstehungszeit, Künstler:in, Standort, Gattungstradition, ikonografische Konventionen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Auch hier bleibt der Text analytisch und beschreibend. Interpretative Aussagen sind nicht zulässig. A2 schafft den notwendigen Wissensrahmen, der später die Theorieanwendung und Deutung trägt.
Modul A3 – Theorieanwendung
A3 ist die Phase der reflektierten, methodischen Anbindung an einen kunsthistorischen Theorieansatz. Die KI wendet hier ein zuvor festgelegtes Modell an – etwa Panofsky, Imdahl, Warburg, Belting oder Eco.
A3 darf keine freien Interpretationen formulieren, sondern muss die theoretischen Instrumente korrekt und auf Basis der bisherigen Phasen anwenden. Es handelt sich um die methodische Analyseebene, die kritische Begriffe, Kategorien und Argumentationsschritte einführt.
Modul A4 – Interpretation und Synthese
A4 führt die Ergebnisse aus A1, A2 und A3 zusammen. Erst an diesem Punkt ist eine begründete Interpretation zulässig.
Die KI formuliert eine Synthese, die sichtbar macht, wie die formalen Beobachtungen, der historische Kontext und der gewählte Theorieansatz zusammenwirken.
Der Kern von A4 ist die Argumentationslogik: Jede Aussage muss aus den vorherigen Modulen ableitbar sein. Freie Vermutungen, spontane Einfälle oder nicht belegte Zuschreibungen sind ausgeschlossen.
Modul A5 – Dokumentation
In A5 werden alle Zwischenergebnisse und die finale Interpretation zusammengeführt.
Das Modul erstellt:
- eine strukturierte Darstellung der Analyse
- eine klare Gliederung aller Teilschritte
- Metadaten zum Werk
- verwendete Theorien und Konzepte
- optionale Literaturhinweise
- ein reproduzierbares Gesamtdokument
A5 dient der wissenschaftlichen Nachvollziehbarkeit und macht den gesamten Prozess transparent.
Handover-Mechanismus
Ein zentrales Element der Architektur ist der standardisierte Handover zwischen den Modulen. Jedes Modul erzeugt ein JSON-Dokument, das nur die Informationen enthält, die methodisch erlaubt sind — nicht mehr und nicht weniger.
Interpretation ist erst möglich, wenn A1–A3 vollständig und konsistent vorliegen.
Der Handover zwingt die KI zu einer disziplinierten Arbeitsweise und verhindert methodisch illegitime Abkürzungen oder erfundene Inhalte.
█ TEXTGRAFIK 01 █
█ ANALYSEZYKLUS █
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> A1 → A2 → A3 → A4 → A5
> Modularer Analyseweg
> Hermeneutischer Ablauf
█ TEXTGRAFIK 02 █
█ HANDOVER-PROZESS █
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> Modul X → Handover.json → Modul Y
> Prüfung der Konsistenz
> Terminologische Angleichung
