04 – These und Leitidee
Notwendigkeit strukturierter KI
Die gegenwärtige Nutzung generativer KI in der kunsthistorischen Analyse führt zu einem grundlegenden Problem: Die Modelle erzeugen sprachlich überzeugende Texte, ohne an das methodische Fundament der Kunstgeschichte gebunden zu sein. Beschreibung, Kontextualisierung und Interpretation erscheinen als zusammenhängender Fluss, obwohl sie in der hermeneutischen Praxis klar getrennte Schritte sind. Diese Unschärfe macht KI-basierte Analysen wissenschaftlich schwer überprüfbar.
VERA-VM formuliert daher die These, dass KI nur dann sinnvoll in kunsthistorischen Arbeitsprozessen eingesetzt werden kann, wenn sie in eine klar strukturierte, modular aufgebaute Methodik eingebettet wird. KI muss gezwungen werden, nach definierten Regeln zu operieren, statt spontan „analytisch klingende“ Texte zu generieren.
VERA-VM als Gegenentwurf
VERA-VM bietet ein Framework, das KI in einen kontrollierten Ablauf einbettet: Die Analyse wird in fünf Module gegliedert (A1–A5), die jeweils eine klar abgegrenzte Aufgabe erfüllen. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf und verhindert damit, dass Interpretation ohne vorherige Sichtung oder Kontextanalyse entsteht.
Durch den modularen Aufbau wird die KI zu einem Werkzeug, das methodisch disziplinierte Einzelschritte ausführt. Die Maschine ersetzt nicht die kunsthistorische Urteilsbildung, sondern unterstützt sie, indem sie innerhalb eines klar regulierten Systems arbeitet. Das Framework schafft eine Form maschinengestützter Hermeneutik, die transparent, nachvollziehbar und prüfbar bleibt.
Wissenschaftliche Prinzipien
Die Leitidee hinter VERA-VM basiert auf drei wissenschaftlichen Grundprinzipien:
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Begründungspflicht:
Jede Aussage, besonders jede Deutung, muss auf vorhergehenden Analysephasen beruhen und nachvollziehbar sein. -
Trennung der Ebenen:
Beschreibung, Kontextualisierung, Theorieanwendung und Interpretation dürfen nicht vermischt werden. KI muss diese Ordnung einhalten. -
Transparenz der Verfahren:
Die Schritte der maschinellen Analyse müssen sichtbar und überprüfbar sein. Nur so kann der Prozess als wissenschaftlich gelten.
VERA-VM ist damit keine technische Optimierung, sondern ein methodischer Ansatz, der die Besonderheiten kunsthistorischer Erkenntnis schützt, während er zugleich die Möglichkeiten der KI nutzbar macht.
