Einträge von Louis de la Sarre

03 Problemstellung

Generative KI kann in kurzer Zeit umfangreiche Texte zur Bildanalyse erzeugen. Diese Texte basieren jedoch nicht auf präziser visueller Beobachtung, sondern auf statistischen Musterfortsetzungen. Die Modelle erzeugen Beschreibungen, die plausibel wirken, aber nicht sicher an das konkrete Bild gebunden sind. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen formaler Beobachtung, Interpretation und Kontextzuschreibung. KI kann keine visuelle Evidenz prüfen, sondern extrapoliert aus Trainingsdaten. Das führt zu inhaltlichen Ungenauigkeiten, Vermischungen unterschiedlicher Bildtypen und inkonsistenten Beschreibungen. Ohne methodische Rahmung verliert die Bildanalyse ihre Bindung an Wahrnehmung, Terminologie und kunsthistorische Standards.

02 Einleitung

Die Einleitung erläutert diese Ausgangssituation, beschreibt die Risiken unkontrollierter KI-Textproduktion und begründet, warum ein modular aufgebautes, hermeneutisch diszipliniertes System notwendig ist. VERA-VM ist weniger ein technisches Tool als ein epistemisches Konzept: ein Versuch, die spezifische Qualität kunsthistorischer Erkenntnis im digitalen Zeitalter zu bewahren und zugleich neue Formen der Mensch-Maschine-Kooperation zu ermöglichen.

Ikonographie & Ikonologie (nach Erwin Panofsky)

Die ikonologische Methode bildet einen der zentralen theoretischen Pfeiler der modernen Kunstwissenschaft.
Sie wurde von Erwin Panofsky (1892–1968) entwickelt und versteht sich als historisch-hermeneutisches Verfahren, mit dem sich die Bedeutungsstrukturen eines Kunstwerks systematisch erschließen lassen. Ziel ist nicht allein die Beschreibung des Sichtbaren, sondern das Verständnis der geistigen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge, in denen ein Bild entstanden ist.