🟦 T4 – Ikonik nach Max Imdahl
Ziel und Grundidee
Die Ikonik nach Max Imdahl ist eine Theorie des Sehens, die das Bild als eigenständiges System visueller Bedeutung begreift.
Sie löst sich von ikonografischen oder textbezogenen Interpretationen und konzentriert sich auf das, was im Bild selbst sichtbar wird.
Der Bildsinn entsteht durch Struktur, Farbe und Raum – also durch das, was Imdahl „das Sehbare“ nennt.
Das Ziel ist ein sehendes Verstehen, bei dem die Wahrnehmung selbst zur Erkenntnisform wird.
Theoretische Grundlagen
Imdahl grenzt seine Ikonik bewusst von Panofskys Ikonologie ab:
Während Panofsky die Bedeutung eines Werkes über historische Quellen erschließt, entdeckt Imdahl sie im Werk selbst – in seiner Komposition, Farbspannung und Dynamik.
Die Analyse folgt der inneren Logik des Bildes, der „Struktur des Sehens“.
Der Betrachter wird zum Mitproduzenten der Bedeutung, weil er diese Struktur aktiv erkennt.
Methodische Anwendung
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Visuelle Erfassung: Wahrnehmung von Linien, Formen, Farben, Räumen, Bewegungen.
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Strukturanalyse: Untersuchung der Spannungen und Gleichgewichte zwischen diesen Elementen.
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Sinnkonstitution: Ermittlung des inneren Zusammenhangs, der das Werk als sinnvolle Ganzheit erscheinen lässt.
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Reflexive Rückbindung: Bewusstmachung des eigenen Sehens – wie entsteht Bedeutung im Akt des Wahrnehmens?
Bedeutung für VERA-VM
Imdahls Ikonik bildet innerhalb von VERA-VM die formanalytische Grundlage der Module A1, A3 und A4.
Sie stärkt die Wahrnehmungskompetenz, fördert methodische Disziplin und ermöglicht ein präzises Erfassen der visuellen Struktur, bevor interpretative Deutung beginnt.
Damit schafft sie eine Brücke zwischen formaler Beschreibung und hermeneutischer Interpretation.
Literatur
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Imdahl, M. (1988): Ikonik. Zur Kunstgeschichte und Ästhetik der Sichtbarkeit. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
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Imdahl, M. (1979): Giotto. Arenafresken. München: Prestel.
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Bredekamp, H. (2003): Theorie des Bildakts. Berlin: Suhrkamp.
- Jürgen Stöhr, Max Indahls Ikonik

